Zwölf Planungsbüros entwickelten Ideen für das künftige Quartier an der Bahnhofstraße
Wie kann sich das heutige RIBE-Gelände nach einer Verlagerung der Produktion zu einem lebendigen Stadtquartier entwickeln? Antworten auf diese Frage lieferte ein städtebaulicher Wettbewerb, dessen Ergebnisse nun im Rahmen einer Ausstellung und Preisverleihung vorgestellt wurden.
Das Interesse an der anspruchsvollen Aufgabe war groß: Rund 130 Büros hatten sich um eine Teilnahme beworben. Zwölf von ihnen konnten an dem Verfahren teilnehmen. Das fachlich hochgradig besetzte Preisgericht zeichnete schließlich drei Preisträger und eine Anerkennung aus.
Oberbürgermeister Peter Reiß begrüßte die Gäste und dankte allen Beteiligten, die den Wettbewerb vorbereitet, begleitet und mit ihren Ideen bereichert hatten. „Das Gelände ist eine prägnante Adresse und ein zentraler Punkt unserer Stadtentwicklung“, betonte Reiß. Durch seine Lage zwischen Bahnhofstraße, Stadtpark und angrenzenden Wohngebieten besitze das Areal eine besondere Bedeutung für die künftige Entwicklung Schwabachs.
Wettbewerb schafft Alternativen
Thomas Dann, geschäftsführender Gesellschafter der RIBE Gruppe und Auslober des Wettbewerbs, berichtete von einer intensiven Jurysitzung mit vielfältigen Ideen. Der Wettbewerb sei wichtig gewesen, um verschiedene Alternativen für die Zukunft des Standorts sichtbar und vergleichbar zu machen.
Erste Gedanken über eine langfristige Veränderung des Geländes habe es bereits 1998/99 gegeben. Schon damals sei deutlich geworden, dass der innenstadtnahe Standort auf Dauer nur eingeschränkt für eine industrielle Nutzung geeignet sei.
Mit den vorliegenden Entwürfen gebe es nun einen „Piloten“, der zeige, wie eine Entwicklung des RIBE-Areals aussehen könnte. Nach derzeitigem Plan will RIBE die Produktion an diesem Standort bis 2028 verlagern. Anschließend könnte die schrittweise Realisierung eines neuen Quartiers beginnen.
Die Siegeridee muss nun auf den Prüfstand gestellt und insbesondere auf ihre Umsetzbarkeit und Wirtschaftlichkeit untersucht werden. Entscheidend sei eine tragfähige Flächenbilanz, in der geförderter Wohnungsbau, weitere Wohnangebote sowie Wirtschaft und Arbeiten sinnvoll miteinander verbunden werden.
Eine mögliche Perspektive könne sein, dass die RIBE-Holding mit Verwaltungsfunktionen an der Bahnhofstraße verbleibe. Eine Entscheidung darüber sei jedoch noch nicht gefallen. Thomas Dann verwies zugleich auf die enge Verbindung zwischen der Stadt Schwabach und RIBE: Beide hätten sich in ihrer Entwicklung gegenseitig viel zu verdanken.
Ein breites Spektrum unterschiedlicher Lösungen
Stadtbaurat Ricus Kerckhoff, der noch bis zum 31. Juli im Amt war, gab Einblicke in die Beratungen des Preisgerichts. Das Wettbewerbsverfahren wurde durch die GEWOBAU mit ihrer Tochterfirma Stadtstrukturgesellschaft SGS initiiert und fachlich begleitet. Gefördert wurde der Wettbewerb mit Mitteln aus der Städtebauförderung unter maßgeblicher Begleitung der Regierung von Mittelfranken und der Stadt Schwabach.
Die zwölf Entwürfe hätten einen Strauß an Lösungen hervorgebracht. Die Büros hätten sehr unterschiedliche Antworten auf die Frage gefunden, wie mit den bestehenden Gebäudeblöcken, den Freiflächen und der besonderen Lage des Areals umgegangen werden könne.
Den ersten Preis erhielt der Beitrag mit der Tarnzahl 1009 des Berliner Büros ARQ Architekten Rintz und Quack in Zusammenarbeit mit bf Bauforum Berlin GmbH; zwei Vertreter der Büros waren zur Preisverleihung in Schwabach. Der vorgeschlagene Zweiklang aus Bestand und Neubau bilde ein tragfähiges städtebauliches Gerüst. Das Konzept verbinde eine kompakte Bebauung mit einer Vielzahl unterschiedlich nutzbarer Freiräume. Urbane grüne Höfe, gemeinschaftlich nutzbare Bereiche und gewerblich geprägte Plätze sollen sich ergänzen.
Neue Wege zwischen Bahnhofstraße und Stadtpark
Ein zentrales Element des Siegerentwurfs ist die Öffnung des bisherigen Industrieareals. Künftig soll das Quartier von der Bahnhofstraße aus in verschiedene Richtungen durchquert werden können – zum Stadtpark ebenso wie zu den angrenzenden Wohngebieten. Dadurch entsteht ein neuer Baustein im Wegenetz der Stadt.
Neben Wohnungen und Arbeitsplätzen sieht das Konzept einen zentralen RIBE-Platz als kleines Quartierszentrum vor, die grüne Mitte. Eine bestehende Halle könnte künftig für Veranstaltungen genutzt werden. Zur Parkseite sind gastronomische Angebote denkbar, wie ein Café mit Dachterrasse. Treppenanlagen, Spielbereiche und Sitzgelegenheiten sollen weitere Aufenthaltsqualitäten schaffen. Gestaltungselemente in Schraubenoptik greifen dabei die industrielle Geschichte und die Identität von RIBE auf.
Das Preisgericht würdigte die Verbindung von baulicher, sozialer und räumlicher Qualität. Gleichzeitig verspreche die kompakte Struktur gute Voraussetzungen für eine wirtschaftliche Entwicklung. Vorgesehene Tiefgaragen sollen einen großen Teil des ruhenden Verkehrs aufnehmen und oberirdisch mehr Platz für Grün- und Aufenthaltsflächen ermöglichen.
Abschließend waren sich alle Projekt-Beteiligte einig: Das Areal sei ein „Sahnestück“ für Schwabach. Aus einem nach Produktionsende ansonsten abgeschlossenen und wenig belebten Gelände könne ein vielfältiges Quartier entstehen, das Wohnen, Arbeiten, Begegnung, Privatraum und Erholung miteinander verbindet.


